Kolumne Wochenspiegel vom 07.07.10
Wer verschläft hier die Zukunft von Stadt und Land
Politik verschläft neue Stadtmitte,
titelte dieser Tage die ,,Saarbrücker
Zeitung“ – und das ohne An-
und Abführung wohlgemerkt,
was schon einem Regelverstoß
journalistischer Grundsätze
gleichkommt. Zitiert wurden in dem
Artikel dann ausschließlich hochmögende
Sprecher der Arbeitskammer, die
ihren Sitz in Saarbrücken hat.
Wobei man wissen muss, dass
die Arbeitskammer, deren Effizienz
seit Beginn ihrer Gründung umstritten
ist, nicht neutral, sondern
eingetragenes Mitglied im
Förderverein des Projekts
Stadtmitte am Fluss ist. Die FDP
war aus guten Gründen stets
gegen die Zwangsbeiträge für
diese linksgewirkte Kammer.
Begründet wird die Pro-Tunnel-
Haltung der Arbeitskammer durch
den Vorstandsvorsitzenden Kurtz
mit folgenden Sätzen: Das Land
brauche diese Leitinvestition
inklusive Tunnelbau. Auch als Signal
an die Republik, dass junge Menschen
und Facharbeiter modernste
Lebensverhältnisse mit hohem
Komfort vorfinden, wenn sie an die Saar
kommen. Soweit das volkswirtschaftliche
Wolkenheim dieses ,,Experten“.
Ist das so? Tatsache ist, dass die
Menschen im Saarland immer
weniger werden. 2009 gab es den höchsten
Wanderungsverlust seit 1988. Es zogen viel
mehr Saarländer weg als Menschen zu
uns kamen: Exakte Negativ-Differenz 2412.
Liegt das womöglich daran, dass wir hier
keinen 1400 Meter langen Tunnel haben,
der zum Bleiben animiert? Nein, es
liegt vor allem daran, auch
das entlarvt die Statistik, dass uns die
attraktiven Arbeitsplätze in
ausreichender Zahl fehlen.
Ist das verlockend für junge und
dynamische Arbeitnehmer mit Kindern?
Würde sich die Arbeitskammer
hier engagieren, statt nur durch die
parteipolitische Brille Kritik zu
üben, müsste man sie ernst nehmen.
Ihr Friedhelm Fiedler