Textversion

Kolumne Friedhelm Fiedler:

Klein-Kreuzberg an der Saar
 
Ein soziales Herz ist gut und wichtig,
vorausgesetzt, es schlägt an der
richtigen Stelle. Allzu lange hat die
Verwaltung der Stadt Saarbrücken,
an ihrer Spitze Oberbürgermeisterin
Charlotte Britz, sich nur zu gerne
weggeduckt, wenn wieder mal neue
Schmierereien Hauswände, Pfeiler,
Parkbänke, Brücken, Verkehrsschilder
oder Fensterscheiben verschandelten.
Die Folgen können wir heute in der
Landeshauptstadt ,,bestaunen“:
Schmierereien, wohin man blickt.
Saarbrücken, das Klein-Kreuzberg
Friedhelm Fiedler an
der Saar! Graffiti gelten meist unter den
Anhängern der Kultur als ein zentrales
Ausdrucksmittel urbanen Lebensgefühls
und finden speziell bei Jugendlichen
häufig Anerkennung. Warum also hart
vorgehen gegen unsere lieben Kleinen, die
sich doch nur den angestauten Frust von
der gebeutelten Seele sprühen wollen
und mit Hilfe ihrer Taggs nach
Anerkennung und damit persönlicher
Aufwertung lechzen?
Die überwiegende Mehrheit der
Bevölkerung empfinden Graffiti als
Verunstaltung und eine besonders
fiese Form des Vandalismus.
Der Zentralverband der Deutschen
Haus- und Grundstückseigentümer
nennt die Zahl von 500 Millionen
Euro, die jährlich für die Entfernung
unerlaubter Graffiti an Gebäuden und
öffentlichen Verkehrsmitteln ausgegeben
werden. Man muss sich nur aktuell die
frisch renovierte Futterstraße ansehen –
oder, noch schlimmer: das Deck
der vergammelten Berliner Promenade.
Man mag sich gar nicht
vorstellen, was für ,,tolle“ Graffiti-
Verwirklichungs-Leinwände die neuen
ellenlangen Wandel-Hoefferschen
Betonflächen bieten, sollte Stadtmitte
am Fluss eines Tages Wirklichkeit werden.
Endlich mehr Tourismus in der Stadt:
Sprayer-Tourismus! Die Sprüher kämen zuhauf,
trotz drohender rot-rot-grüner Bettensteuer.

Druckbare Version
Kolumne Wochenspiegel
31.05.10 Rot-Rot-Grün: Die Lemminge von Saarbrücke